Vorsicht
Irgendwie ist uns etwas aus dem Blick geraten. Dabei könnten wir viel entdecken, wenn wir endlich mal wieder die Augen öffnen und - statt auf das ewig vor den Kopf gehaltene Smartphone - nach vorne schauen. Und manchmal auch zurück. Dazu später.
Voraussicht und Vorsicht stehen in einer engen Verbindung. Wer nicht mit Aufmerksamkeit durch die Welt geht und auf das achtet, was vor einem und um einen herum geschieht, verliert den Kontakt zur Welt und den Menschen. Und auch, wenn manch einer meint, alles aus den mobilen Geräten mit Internet-Zugang zu erhalten - jede News, alle Informationen, Verbindungen zu anderen - so ist das Gegenteil der Fall. Das, was uns hilft, uns und unser Umfeld zu verstehen, sind nicht die ständigen Eindrücke aus der digitalen Welt, sondern direkte Beziehungen zu anderen Menschen, Charakteren, Persönlichkeiten.
Wir sprechen heute gern von Achtsamkeit. Man kann sogar Seminare buchen, wo die dann angeblich zu finden ist. Doch viel entscheidender - oder überhaupt Voraussetzung, um aufmerksam für sich und andere sein zu können - ist eben die Vorsicht, die Aufmerksamkeit für das, was um uns herum geschieht. Nicht in einem Retreat, sondern im Alltag und gegenüber Menschen, die uns begegnen.
Und damit machen wir eine kleine Wendung und schauen auch einmal zurück. Denn Rücksicht ist nicht das Gegenteil von Vor- oder Voraussicht, sondern das unbedingte Pendant dazu. Nur wer den Kopf, die Augen, die Wahrnehmung beweglich hält, sich umschaut, wahrnimmt, was allerorten, und im Kontext passiert, bekommt Zugang. Zugang zu dem, was ist, was es bedeutet, warum etwas war, was werden kann, wo Chancen und manchmal auch Risiken liegen.
Der Ausruf „Vorsicht!“ zeigt dies an. Sei aufmerksam, damit du nicht verpasst, was im Moment und was überhaupt für dein Leben in der Welt wichtig ist. Nicht umsonst heißt es so schön: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“.
Wenn wir diesen Blick verlieren, den Blick auf das, was uns umgibt, eben nicht das, was uns mit ständigem Druck vor die Augen gespült wird, dann kommen wir an den Punkt, an dem wir die Welt tatsächlich nicht mehr verstehen.
Es braucht keine Expertise, keine Ausbildung, keine sonstigen Spezialkenntnisse, um das hinzubekommen, auch, wenn wir oft den Eindruck haben, dass wir den Durchblick komplett verloren haben. Wenn wir einfach mal nur wieder die Augen öffnen, vorsichtig und rücksichtsvoll auf Menschen, auf alles, was uns umgibt schauen, werden wir erleben, erfahren, begreifen, was wirklich wichtig ist.
Es ist nämlich genau das, was vor unseren Augen stattfindet. Das Leben mit allem, was dazugehört. Das ist eine ganze Menge. Mehr braucht es nicht, um es zu gestalten.