Souveränität
Ein beeindruckender Auftritt, machtvoll, alles hält den Atem an, man lauscht den Worten beeindruckt. Möglicherweise fühlt man sich gar klein neben einer Person, die eine derartige Präsenz ausstrahlt.
Doch fragen wir uns einmal: Sprechen wir hier wirklich von Souveränität? Was ist mit diesem Begriff eigentlich gemeint?
Der Souverän ist traditionell männlich konnotiert und bezeichnet einen Herrscher, eine Figur, die über anderen steht. Man versteht einen solchen Herrscher als überlegen, als einen, der über andere Macht ausübt. In eine solche Position kommt dieser meist qua Herkunft, qua Umfeld, qua einer Auffassung, die illiberal und autoritär ist.
Doch kann man Souveränität von dieser Vorstellung lösen, denn der Begriff lässt sich auch anders deuten.
Souveräne Menschen nämlich bekleiden nicht automatisch ein Amt, das Macht gibt, sondern zeichnen sich im Gegenteil durch ein Wesen aus, das auf einer inneren Unabhängigkeit basiert. Souveränität wird einem nicht gegeben, man entwickelt sie oder gewinnt sie durch ein Leben im gesellschaftlichen Kontext.
Sieht man sich heute in der Welt um, betrachtet die Zustände in Regierungen, in Unternehmensleitungen und in anderen Formen organisierter Macht, so lässt sich beobachten, dass wir es immer seltener zu tun haben mit Personen, denen wir Souveränität zuschreiben, sondern verbreitet mit Männern, die ihre Postionen errungen haben und verteidigen als gelte es, Verteilungskämpfe zu ihren Gunsten zu führen. Sie setzen ihre Ämter ein, weniger um Gesellschaft zu gestalten und dabei demokratischen Prinzipien zu folgen, sondern um sich oben zu halten und diejenigen abzuwehren, die ihnen diesen abgehobenen Platz streitig zu machen versuchen.
Das ist nicht nur gefährlich für eine Welt, die Kooperationsfähigkeit, Kommunikationskompetenz und Empathie braucht, das ist zuallererst dumm und kleinkariert. Souveränität geht anders.
Und hier kommen die ins Spiel, denen man diese Eigenschaft nicht nur lange nicht zugetraut hat, sondern die man immer noch auffasst als diejenigen, die machtvoll geführt und in Schranken gewiesen werden müssen. Kleinhalten ist die Devise. Das ist das Gegenteil eines souveränem Verhaltens, das eine Welt im Umbruch braucht.
Fangen wir also nochmal von vorne an und fragen uns, wo wir die wahre Souveränität finden, eine, die geprägt ist von persönlicher Stärke, Autonomie, individueller wie sozialer Entwicklungsbereitschaft und der Offenheit, sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen und die zu gestalten.
Man braucht nicht lange um bei denjenigen zu landen, die genau das alltäglich unter Beweis stellen. Angefangen beim familiären Umfeld, weiter im Umgang mit Menschen jeden Alters und jeder Lebenssituation über die Beschäftigung mit einer Vielfalt an intellektuellen wie handwerklichen Tätigkeiten und die Ausübung diverser Berufe bis hin zur Ausbildung von immer wieder neuen Qualifikationen, wenn ungeahnte Herausforderungen dazukommen.
Frauen stellen täglich und weltweit unter Beweis, dass sie die wahren Souveräne sind. Dass sie – auch ohne Machtposition, ohne Ämter, ohne Apparat - aktiv die Dinge vorantreiben, den Laden sprichwörtlich am Laufen halten. Und dabei gehen sie meist nicht verdrängend, ausgrenzend, gar zerstörerisch vor, sie sind verbreitet in der Lage, Zusammenhänge zu erkennen und in großer Geschwindigkeit Schlüsse zu ziehen, die Sinn machen und Lösungen ermöglichen. Nicht zum eigenen Nutzen, sondern für Gesellschaften, von denen sie wissen, dass sie auf die angewiesen sind.
Das ist wahre Souveränität. Zu erkennen, dass nichts gewonnen ist damit, alleine über andere zu herrschen, sondern auf eine Souveränität zu bauen, die aus dem Miteinander heraus zur Wirkung kommt. Das könnte eine Welt, die in einer Weise verflochten ist wie nie zuvor, in eine Zukunft führen, die hoffnungsvoll stimmt.