Reputation

Irgendwie scheint der Begriff Reputation etwas aus der Mode gekommen zu sein. Wie schade. Denn im Gegensatz zum gerne gebrauchten „Image“, das den Glanz und Gamour der Oberfläche aufruft, schwingt bei der Reputation mehr mit. Im Wortsinne ist damit gemeint, dass etwas betrachtet wird und dass diese so gewonnenen Eindrücke auf ihren Wert hin abgewogen werden. Das braucht - man ahnte es - Zeit.

Die sollten wir uns nehmen. In jeder Hinsicht.

Reputation ist nicht einfach herstellbar unter Verwendung einfacher Zutaten und in einem schnellen Prozess. Sie lässt sich nicht über eine Kampagne in die Köpfe hineinpflanzen und ist dann da. Sie ist nicht je nach Wettbewerbssituation neu zu planen und in eine schicke Form zu gießen. Sie ist stattdessen sperrig. 

Der Siegeszug des Image hat der Reputation einen Bärendienst erwiesen. Menschen, Organisationen, Unternehmen folgen nun immer mehr einer Methode, möglichst schnell Bilder zu produzieren, die glatt sind, unkompliziert, schnell verständlich, auf den ersten Blick sympathisch. Man kann ihnen sofort zustimmen, keine Irritation. Schöne makellose Welt.

Gleichzeitig wird das Verlangen nach sognannter Authentizität immer größer. Menschen und Dinge sollen doch bitte echt sein, an ihrer Persönlichkeit erkennbar, vielleicht auch mal ein bisschen herausfordern (Wobei - bloß nicht zuviel.)

Ein bisschen also scheinen wir uns in eine schizophrene Lage hineinmanövriert zu haben. Zwischen einer Echtheitssehnsucht und den Illusionswünschen ist der Graben so recht nicht zu schließen.

Hier nun wäre das Streben nach Reputation ein echter Gamechanger. Voraussetzung: Man müsste sich eben Zeit nehmen und Zeit auch anderen zugestehen.

Zeit, um sich zu entwickeln, um Dinge auszuprobieren, um sich mit Menschen auseinanderzusetzen, um zu beobachten, um Zusammenhänge zu verstehen, um sich im Leben zu verorten. All das formt Menschen, gibt ihnen Ausdrucksmöglichkeiten, macht sie zu intelligenten und kreativen Persönlichkeiten.

Bringen sie sich damit gesellschaftlich ein, übernehmen sie Verantwortung, engagieren sie sich und werden dadurch sichtbar, gewinnen sie damit über die Zeit an Reputation. Sie stoßen auf Zustimmung, vielleicht auf Bewunderung, allerdings ebenso auf Kritik, Widerstand, sogar Ablehnung. Und manchmal dauert es bis lange nach ihrer Lebenszeit, bis das Umfeld oder die Nachwelt verstanden hat, welchen Beitrag ein solcher Mensch geleistet hat. Auch oder gerade weil er anders, kantig, unbequem war.

Wer hätte schon davon gehört, dass große Geister, Intellektuelle, Forscherinnen oder Staatslenker ein tolles Image gehabt hätten. Diejenigen, vor denen man sich verbeugt, deren Wirken beeindruckt, die etwas hinterlassen, das einen Unterschied macht, die zeichnen sich aus durch eine Reputation, die sich wiederum durch ein Gefüge aus Eigenschaften ergibt.

Während ein Image verfliegt, dem nächsten Trend nicht standhält - eine errungene und zugestandene Reputation bleibt.

Auf den Punkt gebracht: Image hinterlässt keine Bedeutung.

Reputation dagegen ist Ausdruck von Bedeutung.

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Hofnarr