Fragen
Fragen zu stellen, ist wahlweise eine pädagogisch wertvolle Maßnahme - man denke an die Sesamstraße, die Kinder animiert, mit „wer, wie, was, wieso, weshalb, warum“ Erwachsenen Löcher in den Bauch zu fragen. Oder eine Dummheit, weil Antworten erwartet werden, keine Fragen.
Doch Letzteres erweist sich zunehmend als Problem. Wenn Erwachsene ihr Erwachsensein dadurch demonstrieren müssen, dass sie aus dem Fragealter raus sind und nur noch fraglos agieren dürfen, dann geht uns Vieles verloren.
Entdeckerfreuden, neue Ideen, Kreativität, Innovation. Und nicht zuletzt die Fähigkeit, strategisch zu denken. Denn diese Kompetenz erfordert eine Menge an Fragen, an Suche, an Beobachten, an Überlegung, an Zweifeln und Irritation.
Fragen erscheinen uns oft erst einmal unbequem. Sie zwacken regelrecht physisch, mental ohnehin. Menschen wollen Dinge und Situationen verstehen. Doch wenn sie sich dort einnisten, im Verstandenhaben, im Sichersein, in der Fraglosigkeit, dann ist das Leben am Ende. Dann bleibt in diesem Raum nurmehr ein Funktionieren in Standards, ohne dass sich etwas völlig Neues anders entwickeln könnte.
Ja, dieses Neue, Unbekannte kann Befürchtungen wecken, Angst machen. Und solche Gefühle lassen einen zurückschrecken; man sucht ein sicheres Umfeld, in dem man sich auskennt, in dem keine Fragen mehr offen sind.
Gleichzeitig ist diese Version eines Seins enorm langweilig und öde. Überraschungen fallen weg, Inspirationen kommen gar nicht erst auf, Impulsen geht man aus dem Weg - könnte ja irritierend sein.
Man muss nicht kindlich, erst recht nicht kindisch werden, um sich auf das Fragenstellen zu besinnen. Die Sesamstraße als Experimentierfeld zu verstehen, als eine Anregung, sich weiterzuentwickeln, das kann man sich ganz still und heimlich zurückholen.
Greift man die Fragen nämlich auf, kommt man zur wesentlichen Frage: Habe ich darauf Antworten? Habe ich als erwachsener Mensch verstanden, worauf diese Fragen hinauslaufen? Bin ich möglicherweise nur bei Illusionen gelandet, während die Wirklichkeit ganz anders aussieht?
Stellen wir uns diese Fragen doch einmal neu. Kommen wir in der Suche nach Antworten dann bei dem an, wo wir sind? Oder könnten wir nicht Manches neu justieren oder gar einen ganz anderen Weg einschlagen?
Wir haben einen großen Reichtum, der uns über Sprache verdeutlicht werden kann. „Wieso, weshalb, warum“ - drei Wörter, in Englischen mit einem einfachen „why“ übersetzt. Und dann könnten wir noch „wozu“ oder „wofür“ hinterherschieben.
Fragen wir uns also: Was ist der Grund für diese begriffliche Vielfalt? Führt uns das zu unterschiedlichen Antworten?
Befragen wir uns doch mal selbst. Wird spannend, was dabei herauskommen kann. Oder?