Anerkennung
Was motiviert Menschen? Oder anders gefragt: Wofür stehen sie auf und starten positiv gestimmt in den Tag?
Einmal anders gefragt: Für wen ist es erstrebenswert, das nächste Paar Sneaker, die protzigste Uhr oder sonst irgendein stylisches Utensil zu erwerben?
Es mag einem die ein oder andere Person einfallen, wenn man nach der Antwort zu den letzten Fragen sucht. Doch ist das gleichbedeutend mit Motivation? Und was würde diese Motivation dann ausmachen?
Sehr viele Fragen unter einem doch scheinbar so einfachen Begriff.
Anerkennung ist ein wichtiger Motivationsfaktor. Über die vergangenen Jahre er ist ein wenig deformiert worden. Denn das kapitalistisch ausgerichtete Konsum-System hat Anerkennung mit Besitz und der Ansammlung von immer mehr gleichgesetzt bzw. verwechselt. Marken haben die Welt überflutet. Sie sollen die Anreize liefern für die Vorstellung, dass das Besondere über den Erwerb solcher Marken und anderen Auszeichungen dieses Systems zu erhalten sei. In der Folge, so lautet das Versprechen, ist den so ausgestatteten Personen gesellschaftliche Anerkennung garantiert.
Doch diese Auffassung von Anerkennung ist toxisch. Sie hat nichts zu tun mit Eigenheiten, die das Individuum ausmachen, die Rolle, die es innehat oder die Fähigkeiten, die es auszeichnen. Es sind geliehene Attribute, die sehr vergänglich sind.
Das spürt man im schnelllebigen Normalbetrieb nicht, der das System am Laufen hält. Also macht man mit und äußert kontinuierlich weiter Wünsche, die in diese Vorstellungswelt hineinpassen.
Ein Pardigma, das hier eine wesentliche Rolle spielt, ist das Konzept Wachstum. Wachtum ist in dieser Welt gleichbedeutend mit einem immer mehr von materiellen und immatieriellen Gütern. Wer schon mal eine Gewinn-Show im Fernsehn verfolgt hat, hat auf die Frage, was man denn mit einem hohen Gewinn machen würde, von Sparen (für einen späteren Kauf) bis Immobilie abbezahlen - dazwischen Auto, Reise, Elektroartikel - vieles zu hören bekommen, was unter den oben genannten Vorzeichen erwartbar war.
Doch dass die Person vor einem Publikum agiert, das oft viele Millionen Menschen ausmacht, hat möglicherweise die viel größere Bedeutung als dies für jeden einzelnen erwerbbaren Gegenstand gelten kann.
Was bedeutet das: Wir erwarten von dem, das uns umgibt, mit dem wir uns ausgestattet haben, viel zu oft eine Anerkennung, die tatsächlich keine Tiefe hat. Das, was man so vielleicht erreichen kann, ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppen, die man sich so erkauft. Und damit kann man in diesem Feld mitspielen.
Anerkennung aber ist etwas anderes. Man erhält sie für das, was einen persönlich ausmacht, für das, was man in ganz eigener Weise kann, für ein menschliches Verhalten, dafür, dass man da ist, wenn es drauf ankommt.
Wenn davon gesprochen wird, dass es den Nachkommen einmal besser gehen soll, dann wird dies bis heute missverstanden als ein Ziel, dass die nachfolgenden Generationen immer noch mehr und davon viel haben sollten. Worum es tatsächlich ging und geht ist der Wunsch, dass die Menschen, die einem etwas bedeuten, glücklich werden und sein sollen. Dass sie sich und etwas finden, was ihnen Selbstzufriedenheit und Anerkennung bringt. Weil sie ein Leben führen, mit dem sie etwas bewirken und mit dem sie ihre und die Welt als solche besser machen.
Denn nur so erreicht man etwas, das bleibt, das Wert hat und an das sich andere noch lange erinnern. Anerkennung geht über das kurzzeitig Modische lange hinaus. Das motiviert.