Ziel
Kleines Wort, großes Ding. Das Ziel. Das Gegenteil wäre Ziellosigkeit. Wer würde schon von sich sagen, ziellos zu sein. Und genau das scheint derzeit ein weit verbreitetes Phänomen zu sein.
Wie hier üblich, muss wohl auch dieses scheinbar so selbst-verständliche Wort erst einmal erklärt werden, müssen wir uns der Bedeutung annähern. Denn so einfach ist es bei näherer Betrachtung nicht.
Weder geht es um ein räumliches Ziel, zu dem uns jedes funktionstüchtige Navi mehr oder weniger fehlerlos führt. Noch ist ein zeitliches Ziel gemeint, ein Termin, bis zu dem etwas erledigt sein muss. Was hier einmal näher beleuchtet werden soll, ist das inhaltliche Ziel. Eine Aussicht, die uns dazu motiviert, voranzugehen und etwas zu erreichen, das Menschen gerecht wird, das nicht nur den Alltag am Laufen hält, sondern das Große-Ganze im Blick behält.
Andere Begriffe, die im Kontext von Zielerreichung - vor allem in Politik und Wirtschaft - gerne ins Feld geführt werden, sind Visionen und Missionen. Mit einem Leitbild versucht man sich dann an der Beschreibung eines idealen Zustands, den sich alle vorstellen sollen und zu dem man sich dann missionarisch auf den Weg macht.
Meist ist die Sache eine recht enttäuschende Angelegenheit, weil entweder die verschiedenen Teil-Aspekte nicht zusammenpassen oder weil die Realität sich sperrig in diesen schön imaginierten Weg stellt.
Was bei all den Schönmalereien also auf der Strecke bleibt, ist nämlich das Ziel. Das hat verschiedene Gründe, vor allem einen: die Ablenkung. Ob es das berühmte Tagesgeschäft ist, der Alltag, die omnipräsenten Hindernisse, die einen im Lauf behindern oder mangelnder Orientierungssinn - das ursprüngliche Ziel gerät immer wieder aus dem Blickfeld.
Ein anderer Grund ist, dass Ziel oft als eine Zahlengröße aufgefasst wird, die man also zu einem Stichtag betrachten und bewerten kann. Ist diese Zahl nicht erreicht, gilt Gleiches für das Ziel. Damit wird ein Ziel unattraktiv, weil es nach dieser Auffassung immer unkalkulierbarer wird.
Es gilt also, sich ein Ziel wieder einmal als etwas Ideeles vorzustellen, das eine verheißungsvolle Dimension hat. Was könnten solche Ziele sein?
Ein Leben, das in einer freiheitliche Demokratie stattfindet vielleicht. Gestaltungsmöglichkeiten, die die Welt schöner und menschlich machen. Kommunikationskompetenz, die eine gesellschaftliche Verständigung ermöglicht. Bildung, die dem Sinn des Wortes für alle und jederzeit entspricht. Ein im weiten Sinne verstandenes Klima, das für das Leben aller geeignet ist. Eine kulturelle Entwicklung, die jedem Menschen zugute kommt.
Man kann also wunderbar herumfantasieren und sich immer mehr und andere Ziele ausdenken, auf die man zusteuern möchte, die einem eine echte Motivation geben, sie zu erreichen. Immer in dem Bewusstsein, dass ein solches Ziel nie endlich und absolut sein kann, sondern immer einem Etappenziel gleicht, das Mut und Energie gibt, um sich zu sortieren und wieder auf den Weg zu machen, selbst, wenn der dann eine neue Wendung haben könnte.
Zielorientierung bei gleichzeitiger Neugierde und Offenheit für Veränderung - das brauchen wir dringend, um uns und der Welt eine Zukunft zu ermöglichen. Denn Zukunft liegt immer vorne und ist ein wunderbares Ziel. Wenn wir es gemeinsam ansteuern. Auf die Plätze, fertig, los.