Politik
Heißes Eisen. Links, rechts, Mitte? Gibt‘s diese Unterscheidungen überhaupt noch?
Moment mal. Falsch Fragen. Denn es geht bei Politik nicht nur um die Parteienlandschaften, um Verortungen in einem Spektrum, das Zugehörigkeit oder Abgrenzung signalisiert.
Mit dem Begriff “zoon politikon” wird der Mensch umschrieben als ein soziales, ein auf gemeinschaftliches Zusammenleben angewiesenes und daran orientiertes Wesen. Diese Beschreibung wiederum basisiert nicht schlicht auf einem Überlebensinstinkt, sondern auf der Auffassung, der Menschen könne sich seines Verstandes bedienen und auf dieser Grundlage Gemeinschaft stets weiterentwickeln und zum Besten aller organisieren.
Irgendwie ist zwischen der Antike, als diese Idee aufkam, und heute etwas schief gelaufen. Oder diese Spezies ist - Schwund der Artenvielfalt - bis auf wenige Restbestände ausgestorben. Eine schwer bedrohte Art also.
Zum einen sucht man also die Menschen, die noch wie in Zeiten der Aufklärung wagemutig genug sind, sich überhaupt ihres Verstandes zu bedienen, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Und wenn man sie doch findet, dann geschieht Denken dort nicht unbedingt in politisch-sozialer Weise.
Die Tendenz geht dahin, das Politische auszusperren, zu deligieren, anderen zu übertragen, die sich die Köpfe in den diversen Arenen heiß reden oder gleich aufeinander einschlagen. Dabei geht es höchst selten um ein miteinander Denken, um den Austausch und die Entwicklung gesellschaftlicher Ideen und um die Frage, wie man Gesellschaft in diesem Sinne organisiert. Es geht stattdessen darum, wer die höchste Mauer zieht, um sich dahinter einzuigeln, im Mindesten aber, andere von sich fern zu halten.
Was also ist ein politischer Mensch? Ist das eine Politikerin, ein Politiker? Muss man gar Parteimitglied sein? Oder umgekehrt gefragt: Jede und jeder, die und der sich nicht einer politischen Organisation zugehörig fühlt, ist im Umkehrschluss nicht politisch?
Weit gefehlt. Alle, die in Gesellschaften, ja gar in der Welt leben, sind politisch. Denn die meisten Entscheidungen - und seien sie noch so alltäglich - haben politische Bedeutung. Was kauft man wo ein? Wie konsumiert, wie reist man? Hat man Kinder und nach welchen Prämissen wachsen diese auf? Wo und wie wohnt man? Oder welchen Beruf bei welchem Unternehmen übt man aus? Alles keine politischen Fragen? Wieder weit gefehlt.
Unser Handeln hat immer - ob wir es wollen oder nicht - einen politischen Einfluss. Es wirkt sich aus auf diejenigen, die Politik betreiben und um Zustimmung werben. Es spielt eine Rolle hinsichtlich der Frage, welche Produkte Unternehmen herstellen und wo vertreiben oder es wird deutlich im Umgang mit verschiedenen Generationen, wo und wie sie leben, lernen, teilhaben können.
Das alles nämlich ist Politik. Es hat mit Werten zu tun, mit Haltung, mit dem gesellschaften Diskurs darüber, welche Entscheidungen wir treffen, für wen und für welche Zukunft.
Es wäre wohl ganz gut, wenn wir Politik wieder so verstehen und in unser Leben integrieren könnten, anstatt das politische Getöse denjenigen zu überlassen, die von Werten und Haltung weit entfernt sind und denen ein erstebenswertes Bild von Zukunft fehlt.