Einfachheit

Was ist schon einfach? Gerade jetzt? Ganz im Gegenteil - das Sehnen nach Einfachheit ist groß. Nach einfachen Antworten, besser gleich nach einfachen Lösungen.

Gleichzeitig greift Opulenz um sich: Geschenkeberge, Glanz und Gloria, Shows mit immer mehr Getöse. 

Und da stecken wir nun: Zwischen dem Wunsch nach einem einfachen „Lasst mich doch in Ruhe“ und einem Verlangen nach „Immer mehr“.

So widersprüchlich das auch zu sein scheint - es sind die berühmten zwei Seiten derselben Medaille. Auf der einen Seite sind da Viele, die die Welt nicht mehr verstehen, die nicht wissen, wie sie auf das Durcheinander, auf all die Veränderungen reagieren und wie sie mit den unterschiedlichen Anforderungen umgehen sollen. Auf der anderen Seite entsteht eine Art Patzigkeit, die nicht nur an dem Alten, dem vermeintlich Einfachen festhalten, sondern sich in eine Zeit zurückfallen lassen will, in dem ein Viel gleich gut war.

So schlägt das Pendel zwischen dem Rückzug ins Private, ins Einkuscheln in die einfachen, reduzierten Verhältnisse und den Exkursionen raus in eine Welt, in der es groß, bunt, gülden, glitzernd und/oder spektakulär zu sein scheint. Das nennt man kollektive Ablenkung.

Das Blöde: Aus dieser Pendelbewegung entsteht keine Energie. Schon mal gar keine, die allen zugute kommen, die motivieren und Neues entstehen lassen könnte, das ganz einfach zu guten Ideen führen würde.

Denn die brauchen wir dringend. Ideen, die eben nicht spektakulär sein müssen - wir sehen ja, dass solche Vorhaben Nebenwirkungen haben, die krachend zu den Problemen beitragen -, sondern Ideen, die uns gesellschaftlich weiterbringen, die eine menschliche Dimension haben und die uns als homo sapiens und der Welt, auf und mit der wir leben wollen, gerecht werden. 

Das umfangreiche Wissen, die Möglichkeiten, die Kompetenzen, die Entdeckungen, all das, was wir aus allen Kulturen über Jahrhunderte entwickeln konnten, das gibt uns Antworten auf viele Fragen unseres Lebens.

Und ja, die sind durchaus einfach. Wenn man sich darauf besinnt, worum es eigentlich geht. Auch das haben wir an verschiedenen Stellen festgehalten, es lässt sich in einem Wort fassen: Würde.

Wenn wir diese Einfachheit in all ihrer Größe wirken lassen, uns darauf beziehen, alles, was wir tun, daran bemessen, dann haben wir eine gute Basis, um standzuhalten und uns gleichermaßen zu bewegen.

Den Fragen der Welt setzt man weder etwas entgegen durch Rückzug noch durch ein immer Mehr. All die Komplexität jedoch zu verdichten in etwas, das sich gut anfühlt, menschlich ist und langfristig wirksam, das könnte mal ein richtig spannendes Experiment sein.

Machen wir es doch einfach mal.

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Dekadenz