Mentalität
Unterschiedlichen Kulturen werden verschiedene Mentalitäten zugeordnet. Die Norddeutschen unterscheiden sich von den Bayern, Rheinländer von Berlinern, Südeuropäern schreibt man andere Eigenschaften zu als Asiaten. Das erfordert im Berufskontext Fähigkeiten, die mit „interkultureller Kommunikation“ beschrieben werden. Bedeutet das, Mentalität kann man lernen? Zumindst den Umgang damit?
Das wäre zu kurz gegriffen. Mentalität hat seine Wortherkunft mal wieder im Lateinischen und bezieht sich auf den Geist, die Vernunft. Allein daran sieht man schon: Das trennt die Menschheit nicht, das eint sie. Denn grundsätzlich schreibt man allen Menschen überall auf der Welt Verstand und rationales Reflektionsvermögen zu. Auf diesem Prinzip beruhen zum Beispiel auch die allgemein gültigen Menschenrechte.
Es muss also etwas anderes sein, was zu unterschiedlichen Mentalitäten führt. Einflüsse aus der Umgebung – vom Aufwachsen in einem Familienumfeld, der Zughörigkeit zu einem Freundeskreis, über die berufliche Orientierung bis hin zur regionalen, nationalen oder internationalen Verortung – all das prägt. Hinzu kommen Gewohnheiten, Erfahrungen, die persönliche Entwicklung und eine mehr oder weniger bewegliche Ausrichtung an Veränderungen.
Mentalität, so kann man schließen, ist nur sehr bedingt etwas Vorgegebenes. Viel mehr entsteht sie und wird kontinuierlich modelliert durch das, was jede und jeder Einzelne durchlebt.
Das passiert einerseits passiv, weil man Umständen mit unterschiedlichen Vorzeichen ausgesetzt ist.
Andererseits ist man aktive Gestalterin, aktiver Gestalter der eigenen Mentalität. Denn wenn es der Verstand, der Geist ist, der einer mentalen Haltung zugrundeliegt, dann sollte man sie auch begreifen als etwas, das man beeinflussen kann.
Nicht ganz einfach, aber machbar.
Derzeit erleben wir allerdings eher einen anderen Trend. Verbreitet ist das große Jammern en vogue, es herrscht eine Subkultur der Gratismentalität oder eine Vorstellung von „ich will alles“. Aus dieser reaktiven oder passiven Anspruchshaltung heraus haben sich große Gruppen auf dem Rückzug aus gesellschaftlicher Verantwortung gemacht und nisten sich im kleinräumigen Privatbereich ein.
Hier werden dann Mentalitäten gepflegt, die zunehmend das Ego ins Zentrum stellen, während sie das Große-Ganze ausblenden und eine Kultur des Interagierens und des offenen Austauschs vermeiden.
Könnte Mentalität wieder das sein, was einmal für interessierte gegenseitige Aufmerksamkeit gesorgt hat, etwas, das neugierig macht, etwas, das neue Anreize setzt für die eigene Lebensweise und das kreativen Geist weckt, dann wäre das genug Grund für die eine interkulturelle Welt, die eine humane Mentalität miteinander teilt. Die Geisteshaltung nämlich, dass wir gemeinsam in der Lage sind, unterschiedliche Stärken und Methoden einzusetzen für eine freie, soziale und gesunde Welt, auf der alle Mentalitäten einen Platz haben. Schöne bunte Vorstellung.