Beschäftigung

Manche fragen sich, ob sie uns ausgeht - die Beschäftigung. Und meinen damit die berufliche Beschäftigung, eine Arbeit, meist in Form einer Anstellung (auch ein merkwürdiges Wort) oder einer freiberuflichen Tätigkeit, der sie nachgehen können, wollen oder müssen. Seit KI in aller Munde und eben auch in den Unternehmen angekommen ist, wird immer unklarer, was das für unsere Vorstellung von beschäftigt sein bedeutet. Werden wir beschäftigungslos?

Nun kommen wir erst mal zurück zum Wort. Vielleicht finden wir ja darin eine Antwort auf diese Fragen und diese Versunsicherung. Es steckt ein Begriff darin, der in „diesem unseren Lande“ einen großen Klang hat: schaffen. Ein (süd-)deutsches Sprichwort bringt das Wort gleich mal in die Verbindung zum Hausbau und damit einer zweiten wichtigen Angelegenheit in Deutschland. Demzugrunde liegt das Mühen mit einer Werktätigkeit, die einem dann eben das Häuschen und auch sonst so manches Konsumgut ermöglicht. Schaffen oder Beschäftigung ist die Grundlage allen Erfolgs, allen Wachstums, aller Güter. Und damit nahezu gleichbedeutend mit der Grundlage des Seins.

Umso bedrohlicher wirkt da die Drohung - und KI wird hierzulande eben nicht als Versprechen, sondern als Drohung aufgefaßt -, die uns die Beschäftigung und damit all das, was wir damit erreichen konnten, ausgemacht wegzunehmen scheint.

Zurück zum Wort und möglichen anderen Bedeutungen, die das Dilemma möglicherweise auflösen könnten.

Ersetzen wir Beschäftigung doch mal mit dem Begriff Befassung. Niemand denkt da an einen Job, an eine Tätigkeit, mit der sich Geld verdienen ließe. Aber es zeigt, dass etwas drinsteckt, was über klassische Arbeit hinausgeht.

Man kann nicht nur einer Beschäftitung im Sinne von Arbeit nachgehen, man kann sich auch mit einem Hobby beschäftigen, mit Menschen, denen man somit Aufmerksamkeit entgegenbringt, mit einem Gedanken, dem man nachgehen möchte.

Dann befasst man sich mit einem Thema, einem Umfeld, das einen herausfordert, das Ideen weckt, das soziales Miteinander ermöglicht oder Innovationen hervorruft.

Befassung nämlich - also die sinnvolle Beschäftigung - braucht Zeit, braucht Aufmerksamkeit, ein Hinsehen, ein Wahrnehmen, den sorgfältigen Umgang mit Menschen, die Bereitschaft der Kommunikation, um zum Beispiel im Dialog mehr zu erfahren, sich weiterzuentwickeln und die Befassung mit jemandem oder etwas auf ein nächstes Niveau zu heben.

Das kann KI, das kann Technik, können Maschinen oder Roboter nicht leisten. Wer sich schon mal intensiv mit Menschen und mit Themen, mit Kunst und Literatur, mit Fragen und Irritationen, mit allem, was nicht einfach weggeschafft werden kann, auseinandergesetzt hat, die und der weiß, dass über diesen Weg große Überraschungen zu gewinnen sind.

Das ist nix für Menschen, die Gewohnheiten bevorzugen, die Sicherheiten zur obersten Prämisse erklären, die es gerne bequem haben und nach ewig gleichen Spielregeln agieren wollen. Das ist was für die, die sich einlassen wollen und können auf Experimente, auf Ungewohntes. Weil ihre Befassung damit zu neuen Erkenntnissen beiträgt, die geeignet sind, das Vorherige über Bord zu werfen. 

Und das bedeutet: kritische Auseinandersetzung mit dem, wo man gerade steht. Beschäftigen, nein befassen wir uns mit dem, was ist, was wir wahrnehmen, worüber wir in den Austausch gehen wollen. Und mit dem, was das für unsere Zukunft bedeutet. Wie wir diese mit den gewonnenen Einsichten gestalten können.

Das kann man schaffen. Dieses Mal aber wirklich.

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