Aufklärung

Die Aufklärung gibts in der Philosophie, beim Wetter, bei Rätseln. Wenn Aufklärung ins Spiel kommt wirds heller, deutlicher, klarer oder löst sich gar. Manchmal kommen eindeutige Antworten heraus, manchmal wird’s herausfordernder, und es stellen sich neue Fragen. Aufklärung kann passieren, in den meisten Fällen allerdings muss man sich um sie bemühen.

Ob es ein griechisches „Heureka“ war oder die Erkenntnis, dass man wisse, dass man nichts weiß oder der Aufruf, sich seines Verstandes zu bedienen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen oder überhaupt erst einmal zu verstehen - in der Philosophie wird seit tausenden von Jahren nach mehr Licht geforscht.

Licht, das das Dunkel erhellt, das Unklarheiten offen legt, das eine Atmosphäre schafft, in der man selbst und in Gemeinschaft ergründen kann, wo man sich befindet, was die Situation ausmacht, welche Aspekte zu berücksichtigen sind, was man weiß und vor allem, was eben nicht.

Manchen macht das zunehmend Angst. Denn das Licht beleuchtet nicht nur die schönen Seiten des Lebens, diese gedankliche und intellektuelle Aufklärung hat wenig mit dem Phänomen zu tun, wenn sich nach Tagen des grauen Himmels und Regens der Himmel aufklärt und die Sonne hervorkommt. Stattdessen fängt in der philosophischen Aufklärung die Arbeit erst richtig an, wenn man sich der einmal verschrieben hat.

Erkennbar werden in einer komplexen Welt - und je tiefer man eintaucht in die diversen Themen des menschlichen Lebens und Zusammenlebens - viele Details, die jedes für sich vielleicht erkundet und verständlich werden kann, in der Summe allerdings zu großer Verwirrung und Verunsicherung führen. Man bekommt in dem Prozess der Erforschung zunehmend den Eindruck, es wird nicht heller, sondern greller. Und so wird keine Erleuchtung, sondern eher Verblendung erreicht.

Man sieht genauso wenig klar, wie das in der Dunkelheit der Fall ist.

Also wendet man sich schnell wieder ab, zieht wahlweise die Schutzbrille auf oder zieht sich ins Halbdunkle bis Dunkle zurück und beschränkt sich auf das, was man kennt, wo man sich auch bei wenig Licht zurechtfindet und bewegen kann, ohne ständig irgendwo anzustoßen.

Immer mehr Menschen verweigern sich der Erkenntnis, gar der aktiven Erforschung der Welt und ihrer Zusammenhänge und bleiben lieber da, wo sie sind bzw. bewegen sich maximal kleinräumig in ihrer abgekapselten Vorstellung.

Man verharrt da, wo man ist - Neues macht nicht neugierig, führt immer seltener zu Faszination und Begeisterung, motiviert kaum zu aktivem Vorangehen. Das Alte mag vielleicht etwas düster erscheinen, etwas abgegriffen, wenig Glanz zu haben, aber hier hat man sich eingerichtet. Und das reicht dann auch. Mehr braucht man nicht zu wissen.

In dieser Auffassung, in der das Abgeschottete erstrebenswerter erscheint als das Offene, die Verdunklung gemeinschaftlicher als die Aufklärung, ist eine Entwicklung kaum mehr möglich. Vielleicht muss man konstatieren, dass dann im besten Fall bleibernde Ruhe herrscht, im schlimmsten Fall aber entsteht in jeder Hinsicht Fäulnis.

Das aber ist nicht das Leben, das eben immer Aufbruch ist. Wenn es startet, bleibt nichts anderes übrig, als sich zu entwickeln. Passiv wie aktiv. Nur eine Entwicklung ist erzählbar, bringt Geschichten und Motivation hervor und macht die Welt zu einem lebendigen Ort.

Wir können nicht aufhören mit der Aufklärung, können uns nicht einigeln in einer Verfassung, die Zukunft ausschließt. Denn dann können wir auch aufhören Menschen zu sein, die Bedeutung erlangen. Nicht als Krone der Welt, sondern als Verstandeswesen, die sich dieser Eigenschaft auch bedienen können. Und die Licht ins Dunkel bringen.

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Authentizität